Pionier: Pfarrer bietet Seelsorge via WhatsApp

von Eva Rudolf

Sonntag, 02.10.2016

das WhatsApp-Logo leuchtet auf einem Smartphone-Bildschirm
Den Messenger-Dienst "WhatsApp" nutzen weltweit eine Milliarde Menschen. In Deutschland sind es rund 35 Millionen.

Die eigene Familie, Kollegen, seine Konfirmanden und deren Eltern – irgendwann hat Pfarrer Christian Tsalos festgestellt, dass alle Welt um ihn herum "WhatsApp" benutzt. Inzwischen setzt auch er auf den Messenger: als Mittel zur Seelsorge.

Die Idee dazu sei ihm gekommen, als er während einer Konfirmanden-Fahrt beobachtete, wie die Jugendlichen und ihre Eltern selbst im Bus via WhatsApp miteinander kommunizierten. Er erkannte: "Das ist eine Kommunikationsmöglichkeit, um die man nicht mehr herum kommt. Und dann dachte ich mir, dass vielleicht jemand Interesse hätte, sich seelsorgerlich an seinen Pfarrer mit seinem Lieblings-Kommunikationsmittel – eben mit dem Handy und mit WhatsApp – zu wenden."

Im Mai 2016 startete er seine Internetseite www.whatsappseelsorge.de und veröffentlichte dort seine Whatsapp-Nummer. Diesen Kommunikationskanal versteht Tsalos als Ergänzung zu Mail und Telefon, gedacht ist er in erster Linie für die rund 2.300 Mitglieder seiner Kirchengemeinde in Heimsheim nahe Stuttgart. In gewisser Weise versteht sich der württembergische Pfarrer aber auch als Vorreiter: "Wir können als Kirche die Leute nicht zu alten Kommunikationsformen zwingen, wenn sie bereits neue Formen verwenden", sagte er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Seit Veröffentlichung seines WhatsApp-Angebotes erhält Christian Talos nach eigenen Angaben täglich etwa ein bis zwei Nachrichten. Etwa jede zehnte WhatsApp berühre seelsorgerliche Fragen. Er garantiere die übliche Schweigepflicht, und die Technik von WhatsApp sorge dafür, dass die hin und her gehenden Nachrichten verschlüsselt würden. Trotzdem gebe es keine 100prozentige Anonymität, so Tsalos: "Die üblichen WhatsApp-Daten sind mir sichtbar", schreibt er auf seiner Internetseite www.whatsappseelsorge.de und sichert zu: "Nach Abschluss des Chat werden Ihre Daten bei mir gelöscht."

Seine bisherigen Erfahrungen mit dem Angebot der "Seelsorge 2.0" beschreibt Christian Tsalos so: "Es gibt natürlich Leute, die mir schreiben: »Ich hab schon Kontakt mit meinem Pfarrer gehabt und der Kontakt war nicht so gut; ich versuch es jetzt mit Ihnen«. Das gab´s auch schon. Aber ich glaube, der Großteil waren bisher Leute, die mit einem Pfarrer bisher nie was zu tun hatten."
Sonntag, 02.10.2016