Hausbesuch: Stimson Memorial Chapel in Bonn

von Joachim Gerhardt

Sonntag, 21.02.2016

Die Stimson Memorial Chapel in Bonn-Plittersdorf
Die Stimson Memorial Chapel in Bonn-Plittersdorf ist Heimat für fünf verschiedenen Kirchengemeinden.

1952 errichteten die Amerikaner in Bonn-Plittersdorf eine US-Siedlung samt eigener Kirche. Über Jahrzehnte blieb sie amerikanischen Soldaten und Botschaftsangehörigen vorbehalten. Heute finden hier Christen aus 30 Nationen eine Heimat.

1952 errichteten die Amerikaner in Bonn-Plittersdorf eine US-Siedlung samt eigener Kirche. Über Jahrzehnte blieb sie amerikanischen Soldaten und Botschaftsangehörigen vorbehalten. Heute finden hier Christen aus 30 Nationen eine Heimat.

Möglich wurde diese besondere Kirche durch die deutsche Wiedervereinigung, die am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde und in deren weiteren Verlauf im Juni 1991 die Entscheidung fiel, den Sitz der deutschen Bundesregierung und des Parlaments von Bonn nach Berlin zu verlegen. Als der Umzug 1999 erfolgte, wurde u.a. auch die US-Botschaft vom Rhein an die Spree verlegt. Die Amerikanische Kirche in Bonn wurde nicht mehr benötigt, so dass der damalige US-Präsident Bill Clinton entschied, das Gebäude an die Stadt Bonn zu verschenken.

Ein 1997 gegründeter Förderverein übernahm 1999 die Kirche, die mit ihren dunkelroten Backsteinmauern, dem weißen Glockenturm und den mächtigen weißen Säulen am Haupteingang an den kolonialen Baustil der Kirchen in New England aus dem 18. Jahrhundert erinnert. Der Förderverein sorgt seither für den Erhalt und Unterhalt des Gebäudes. Die Gelder dafür erwirtschaftet der Verein durch Spenden, Benefizaktionen aber auch durch Nutzungsgebühren, die die hier heimischen Glaubensgemeinschaften entrichten.

Die 1952 nach dem damaligen US-Kriegsminister Henry L. Stimson benannte "Stimson Memorial Chapel" wird heute von fünf verschiedenen Kirchengemeinden benutzt. Neben der "American Protestant Church" (APC) feiern hier auch eine koreanische, eine russische, eine spanisch sprechende sowie eine Gemeinde aus Sri Lanka ihre Gottesdienste. Nach Angaben der Präsidentin des Fördervereins, Angela Beckmann, treffen sich in der Kirche Christinnen und Christen aus 30 Nationen.

Die Vorstellung der Amerikanischen Kirche in Bonn ist der Auftakt zu einer kleinen Reihe im Kirchenmagazin "Himmel & Erde", mit der wir in den kommenden Wochen weitere fremdsprachige Kirchengemeinden in NRW vorstellen wollen. Hintergrund ist das Jahresmotto "Reformation und die EINE Welt", das die evangelische Kirche für 2016 ausgegeben hat. Damit beginnt sozusagen die letzte Etappe vor dem ganz großen Jubiläum, das die evangelische Kirche 2017 feiern wird: 500 Jahre Reformation.

Was damals mit Martin Luther ganz klein begonnen hat, ist heute eine Riesen-Gemeinschaft: Weltweit gehören über 800 Millionen Menschen zu einer protestantischen Kirche oder Gemeinschaft. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern, sprechen verschiedene Sprachen, und trotzdem sind sie vereint durch den gemeinsamen Glauben. Die Amerikanische Kirche in Bonn ist dafür ein gutes Beispiel.
Sonntag, 21.02.2016