Franziskaner in Dortmund

von Stefan Klinkhammer

Sonntag, 08.10.2017

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60 Jahre franziskanisches Schulnetzwerk CONASA in Brasilien, Bild: Franziskanermission Dortmund

Im laufenden Weltmissionsmonat ein Blick auf eine der ältesten missionarischen „Agenturen“: Die Jünger des italienischen Volksheiligen Franziskus in der alten Industriemetropole Dortmund halten seit langem beste Kontakte in heiße Zonen dieser Welt ...

INFO: Die Franziskaner Mission ist das internationale Hilfswerk der Deutschen Franziskanerprovinz von der Heiligen Elisabeth und unterstützt mit Hilfe von Spendengeldern Entwicklungs- und Menschenrechtsprojekte in Brasilien, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Litauen, Ostafrika, Japan und Vietnam. Es gibt zwei Geschäftsstellen in Dortmund und in München. Während sich das Dortmunder Büro um die Projekte in Afrika, Brasilien, Japan und Vietnam kümmert, konzentriert sich die Arbeit des Büros in München hauptsächlich auf Projekte in Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Mexiko und Litauen.
Der Franziskaner Wenzeslaus Straußfeld OFM gründete den Franziskaner-Missions-Verein 1907 in Werl. Hauptaufgabe des Vereins war zunächst die Betreuung und der Ausbau der Shandong-Mission der Franziskaner in China. Wirksame Unterstützung fand der Werler Missions-Verein durch zahlreiche Spender und durch die Generalleitung des Ordens in Rom. Ging es den Missionaren zu Beginn des Jahrhunderts noch um die Christianisierung, ging es nach dem zweiten Weltkrieg immer mehr darum, allen Menschen ein Leben ohne Hunger und Unterdrückung zu ermöglichen. Die „Option für die Armen“, die „Nachhaltigkeit“ und die „Hilfe zur Selbsthilfe“ wurden zu zentralen Begriffen. Und auch der Gedanke des Gebens und Nehmens ist mittlerweile fester Bestandteil von Mission geworden.
Unser Gesprächspartner: Br. Augustinus Diekmann OFM, Franziskaner-Mission, Franziskanerstr. 1, 44143 Dortmund, Tel. 0231 / 1763375, E-Mail: info@franziskanermission.de, Internet: www.franziskanermission.de

Franziskaner in Brasilien: Im Jahr 1950 überließ die Franziskanerprovinz vom hl. Antonius in Recife ihre Gebietsrechte über die nordbrasilianischen Franziskanerprovinzen Maranhão und Piauí der Sächsischen Provinz vom Heiligen Kreuz. Da die 1948 aus China vertriebenen Missionare nach einem neuen Arbeitsfeld suchten, leitete der damalige Provinzial, Dietmar Westermeyer OFM, 1951 die franziskanische Missionsgründung in Nordostbrasilien in die Wege. Im März kamen die ersten Missionare nach Maranhão und Piauí. In den Folgejahren wurden sechs Konvente und acht Pfarreien in São Luís, Piripiri, Bacabal, Vitorino Freire, Lago da Pedra, São Luís Gonzaga und Teresina gegründet. Starken personellen Zuwachs erhielt die Brasilienmission in den 1960er Jahren. 19 Franziskanerbrüder kamen aus Deutschland, um die Arbeit vor Ort zu sichern – viele arbeiten noch heute dort und kümmern sich um die Gemeinden, die zahlreichen Straßenkinder- und Schulprojekte sowie die Familienlandwirtschaftsschulen.

Franz von Assisi, eigentlich Giovanni Bernardone (* um 1181/1182 in Assisi, Italien, † 3. Oktober 1226 in Portiuncula bei Assisi, war der Gründer des christlichen Franziskanerordens (Ordo Fratro Minorum, OFM). Geboren als Sohn des reichen Tuchhändlers Pietro di Bernardone und seiner Frau Pica, führte er das Leben eines jungen, reichen Mannes. 1202 wurde er im Krieg der Stadt Assisi gegen Perugia gefangen genommen. Nach schwerer Krankheit und langer Genesung während der Gefangenschaft bekehrte er sich bei der Pflege von Aussätzigen. Immer wieder zog er sich in die Einsamkeit zurück, um den Willen Gottes zu erspüren und fand dessen vielfältige Weisen der Liebe in der Schönheit der Schöpfung. Er beschloss, das Evangelium buchstäblich zu verwirklichen und ein Leben in völliger Armut zu führen. Er wählte das Leben als Einsiedler, dem sich im Laufe der Zeit immer mehr junge Männer anschlossen. 1210 bat Franziskus mit seinen Gefährten in Rom beim Papst um die Bestätigung der Regel ihrer „Armutsbewegung“ zu erbitten.
In der Zeit der Kreuzzüge reiste Franziskus 1219 als Missionar bis Palästina und schloss sich dort dem Kreuzfahrerheer an, das auf dem Weg nach Ägypten war. In der Nähe von Damiette an der Nil-Mündung predigte er im Lager des muslimischen Heeres vor dem Sultan Al-Kamil, um Frieden zu erreichen. Der Sultan schenkte Franziskus zwar ein Signalhorn und war sehr beeindruckt von der Begegnung mit dem Bettelmönch, doch Franziskus konnte die bevorstehende Schlacht nicht verhindern und der Kreuzzug insgesamt wurde fortgeführt.
Franziskus starb am Abend auf den 4. Oktober 1226 und wurde bereits 1228 von Papst Gregor IX. heilig gesprochen. Seit 1230 liegen seine Gebeine in einem Sarkophag in der Unterkirche von San Francesco in Assisi. Franz von Assisi gilt aufgrund seines Wirkens als erster Tierschützer. Daher wird am 4. Oktober, dem Tag des Heiligen Franziskus, weltweit von Tierschützern der Welttierschutztag begangen. Franz von Assisi wurde von der katholischen Kirche zum Patron der Umweltschützer und Ökologen „erhoben“. In dieser Tradition steht die 1995 gegründete Franz von Assisi-Akademie zum Schutz der Erde (www.faape.org/).

Der Orden der Franziskaner feierte 2009 sein 800-jähriges Bestehen. Die Bruderschaft wurde mit der Anerkennung durch Papst Innozenz III.(1209/10) und der Bestätigung der endgültigen Regel (1223) zum Orden der Minderen Brüder (Ordo Fratrum Minorum, OFM). Weltweit gibt es rund 15.000 Minderbrüder in 103 Provinzen. 1221 - noch zu Lebzeiten des Heiligen Franziskus - kamen die ersten Brüder über die Alpen nach Deutschland. Mehr: www.franziskaner.de

Sonntag, 08.10.2017