Das volle Leben: Schwester Jancy Antony

von Stefan Klinkhammer

Sonntag, 11.03.2018

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Bild: Von Beginn an ist Schwester Jancy Anthony (links) beim Projekt JEEVAN People-Led Empowerment dabei. Als Koordinatorin ist sie für 15 Dörfer zuständig, die sie regelmäßig besucht.
 © Florian Kopp/MISEREOR

Die Fastenaktion 2018 steht unter dem Leitwort „Heute schon die Welt verändert?“ - Jancy Antony tut es. Die quicklebendige Schwester kümmert sich um die Rechte der Menschen in ihrer Region – für Kinder, Frauen und die Entwicklung der Landwirtschaft.

INFO: Die am 14. Februar begonnene 60. Misereor-Fastenaktion wurde am 18.02.2018 mit einem Pontifikalamt
 mit Reinhard Kardinal Marx im Münchener Frauendom eröffnet. „Heute schon die Welt verändert?" ist das Leitwort der Aktion in diesem Jahr, das Beispielland ist Indien, das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt. Misereor will hier mit einheimischen Partnern für eine bessere Lebensqualität der Menschen sorgen und sie dabei unterstützten, selbst aktiv zu werden und für ihre Rechte zu kämpfen.

So wie es Jancy Antony tut. Die quicklebendige Schwester aus dem südindischen Bundesstaat Kerala kümmert sich mit ihrem Konvent der Ordensgemeinschaft St. Ann‘s in Beed um die ganz grundsätzlichen Rechte der Menschen in ihrer Region – für Kinder, Frauen und die Entwicklung der Landwirtschaft. Sie ist Koordinatorin für das von der Caritas Indien im November 2015 gestartete und von MISEREOR unterstützte Projekt JEEVAN – People-Led Empowerment (PLE). Jeevan ist Hindi und bedeutet auf Deutsch Leben. People-Led Empowerment lässt sich übersetzen mit: „Die Bürger befähigen sich selbst”. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der PLE-Teams stoßen in den Dörfern Graswurzelbewegungen an, die ihrerseits die Entwicklung der Siedlungen dann eigenständig vorantreiben und Verbesserungen aus eigener Kraft auf den Weg bringen. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern werden die wichtigsten Probleme erörtert, die Teams helfen beim Aufbau von Aktionsgruppen, moderieren und beraten anschließend, wie die selbst gesetzten Ziele – etwa in der Verbesserung in der Infrastruktur und Wasserversorgung - erreicht werden können. Dazu stellen sie Kontakte zu Regierungsstellen und Experten her, helfen aber auch dabei herauszufinden, welche Rechte und Ansprüche die Dorfgemeinschaften gegenüber dem Staat haben. Indien hat zwar viele staatliche Programme für die ländliche Entwicklung aufgelegt, doch häufig bleiben sie unbekannt und das Geld versickert in anderen Kanälen. Dabei werden auch die bislang wenig beteiligten Frauen in die politischen Entscheidungen einbezogen. Der MISEREOR-Partner Caritas Indien baut das PLE-Projekt stetig aus: Profitierten zunächst nur rund 20 Dörfer von dem Projekt, sind es heute bereits mehr als 200 mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Unser Gesprächspartnerin: Jancy Antony wurde1972 in Pulincunnoo, im südwestlichen Bundesstaat Kerala, Indien geboren. Von Anfang 1997 bis Ende 2000 arbeitete sie als Büroassistentin im Haus des Bischofs in Vijayawada, Andhrapradesh. Bis 2002 machte sie an der Nagpur Universität ihren Master in Sozialarbeit. Seit 2003 wohnt sie mit anderen Ordensschwestern im Konvent der Ordensgemeinschaft St. Ann‘s in Beed. Die 1909 im schweizerischen Luzern durch den Priester Wilhelm Meyer gegründete Ordensgemeinschaft ist seit 1927 auch in Indien vertreten, heute in acht Bundesstaaten, 34 Bistümern und 90 Niederlassungen. Mit einem Ableger in den ostafrikanischen Ländern Tansania und Kenia zählt sie heute über 800 Mitglieder. Schwester Jancy ist Leiterin des St. Ann’s Sozialzentrum in Beed, einer von 140 Einrichtungen des Ordens: Dort arbeitet sie für Frauenrechte und kümmert sich um die Ausbildung armer Kinder. 2010 machte sie an der Pune Universität ihren Bachelor in Rechtswissenschaften. Link zum Orden: http://www.saluzern.com/,

Projektfilm aus Beed

Misereor - weltgrößtes katholisches Entwicklungshilfswerk: Misereor mit Sitz in Aachen wurde 1958 von den deutschen katholischen Bischöfen auf Vorschlag des damaligen Kölner Kardinals Josef Frings als Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt gegründet, um „den Mächtigen der Erde, den Reichen und Regierenden vom Evangelium her ins Gewissen zu reden“. Der Name bezieht sich auf das im Markus-Evangelium überlieferte Jesuswort „Misereor super turbam / Ich erbarme mich des Volkes“. Erste Anregungen für eine regelmäßige Kollekte für Entwicklungsprojekte kamen zuvor von katholischen Laienorganisationen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Ziel der mit Partnern in Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika geleisteten Arbeit ist die Hilfe zur Selbsthilfe, aber auch die Schärfung des Bewusstseins für die Ursachen von Armut und Unterentwicklung, Not und Ungerechtigkeit in den Entwicklungsländern. Seit seiner Gründung vor 60 Jahren hat das Hilfswerk laut eigenen Angaben rund 107.000 Projekte mit mehr als 7,2 Milliarden Euro unterstützt. Derzeit arbeitet Misereor mit 1.900 Partnerorganisationen in 3.000 laufenden Projekten in gut 90 Ländern zusammen.
MISEREOR-Spendenkonto: 10 10 10, Pax Bank Aachen, BLZ 370 601 93, IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10, BIC GENODED1PAX; Internet: www.misereor.de, Pressemeldungen: www.misereor.de/presse; MISEREOR-Blog: www.misereor.de/blog; Twitter: www.twitter.com/misereor; Facebook: www.facebook.com/misereor

Sonntag, 11.03.2018