Bonifatius: Apostel der Deutschen

von Dr. Christof M. Beckmann

Sonntag, 03.06.2018

Platzhalterbild
Bild: Buchtitel und Autor Michael Brand MdB (CDU), Foto: KIP

Am Dienstag steht er auf dem Kalender – der „Apostel der Deutschen“. Für die meisten ist der Organisator der Kirche in Deutschland weitgehend unbekannt. Ganz anders für Michael Brand: Der CDU-Bundestagsabgeordnete hat ihn in seinem Berliner Büro stehen...

INFO: Bonifatius, 672/73 als Sohn einer Adelsfamilie im Königreich Wessex in England mit dem Namen „Wynfreth“ geboren, trat gegen den Willen seines Vaters ins nahe gelegene Benediktinerkloster Exeter ein. Mit 30 Jahren wurde er Priester, Abt in Nursling , verfasste als Lehrer für Grammatik und Dichtung Bibelauslegungen, die erste englische Grammatik der lateinischen Sprache und Gedichte. 716 endete eine Missionstätigkeit in Friesland erfolglos, 718 aber erhielt er von Papst Gregor II. den Auftrag, in den deutschsprachigen Ländern das Evangelium zu verkünden. Mit dem neuen Namen Bonifatius kehrte er über Bayern und Thüringen nach Friesland zu Bischof Willibrord (Utrecht) zurück und begann 721 seine Mission in Hessen und Thüringen.

722 in Rom zum Missionsbischof geweiht, nahm Bonifatius die Neuordnung der Kirche im Süden und Osten des späteren Deutschland in Angriff und gründete zahlreiche Kirchen und Klöster. Der 732 von Papst Gregor III. ernannte Erzbischof und päpstlichen Vikar des Ostteiles des Frankenreiches  gründete und reorganisierte u.a. die Bistümer Salzburg, Passau, Regensburg, Freising, Würzburg, Büraburg bei Fritzlar und Erfurt. Gegen viele Widerstände legte Bonifatius, ab 746 Bischof von Mainz, damit die Grundlagen für die katholische Kirche in den deutschsprachigen Ländern. Am 5. Juni 754 wurde er auf Missionsreise nahe dem friesischen Dokkum ermordet und in seinem 744 gegründeten Kloster Fulda, der späteren Reichsabtei, bestattet. Seit 1867 treffen sich die deutschen katholischen Bischöfe zu ihrer Herbstvollversammlung an seinem Grab im Dom zu Fulda. Zu seinem 1250. Todesjahr 2004 erinnerten zahlreiche Veranstaltungen an den „Apostel der Deutschen“ und „Wegbereiter des Abendlandes“, die deutschen Bischöfe legten bei ihrer Herbstvollversammlung (20.-23. September 2004) am Ort seiner Grablege als „Vision für eine Neuevangelisierung Deutschlands“ ein „Wort aus Fulda“ vor.

Unser Gesprächspartner: Michael Brand, 1973 in Fulda geboren, ist evangelisch, verheiratet und hat drei Kinder. Nach Abitur in Fulda und Wehrdienst studierte er ab 1995 Politische Wissenschaften, Geschichte und Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn. Nach einem Auslandsjahr in Sarajevo (Bosnien-Herzegowina) 1997/98 schloss er 2001 sein Studium mit dem „Magister Artium" an der Bonner Universität ab. Früh engagierte er sich als Journalist, in der Jungen Union und der CDU: 1992-1996 war Brand stellvertretender Kreisvorsitzender der JU Fulda, 2000-2001 Pressesprecher JU Deutschlands in Berlin und 2001-2005 Pressesprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag. Seit 2005 ist er direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages des Wahlkreises Fulda. Bis Januar 2017 war er Vorsitzender des Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und ist seitdem menschenrechtspolitischer Sprecher und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im neuen 16.Bundestag ist er ordentliches Mitglied im Innenausschuss und im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss. Michael Brand ist Mitglied zahlreicher Vereine und Kuratorien, u.a. im Hospizförderverein Fulda, dessen Vorsitzender er seit 2016 ist, in der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. sowie in der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Als Sprecher für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe setzte er sich für Bedrohte und Verfolgte ein und gegen Unterdrücker in der Türkei, in Russland und China. Aktuell hat er sich im Bundestag für Religionsfreiheit und gegen die Verfolgung von Christen weltweit und der muslimischen Volksgruppe der Rohingya in Myanmar eingesetzt.

Michael Brand (Hg.): „Wie Bonifatius in den Reichstag kam“, 64 Seiten, 68 Farbabbildungen, Michael Imhof Verlag, ISBN 978-3-7319-0591-2, 9,95 Euro

Die von Michael Brand MdB herausgegebene und im Verlag von Michael Imhof erschienene Publikation „Wie Bonifatius in den Reichstag kam“ berichtet über eine abenteuerliche Geschichte: Sie lüftet das Geheimnis, wie eine lange verschollen geglaubte Bronzefigur des „Apostels der Deutschen“ wieder zurück in das Parlamentsgebäude kam. Geschaffen wurde die Figur für einen mächtigen Radleuchter, der ab 1894 mit acht Metern Durchmesser und 170 Zentner schwer den 1894 fertiggestellten Berliner Reichstag zierte. Der Architekt des Reichstags, Paul Wallot, gab den neoklassizistischen Ringleuchter bei dem süddeutschen Bildhauer Oskar Dedreux in Auftrag, die Figuren modellierte sein Berliner Kollege August Vogel. Dargestellt waren neben Bonifatius der Westgote und Bibelübersetzer Wulfila, Roland, Paladin von Karl dem Großen, der fränkische Gelehrte Eginhard (Einhard), Erzbischof Bruno von Köln, der ostsächsische Markgraf Gero, der sächsische Heerführer Hermann Billung, der Kölner Erzbischof Reinhold von Dassel, Bayernherzog Otto von Wittelsbach, Hl. Albertus Magnus, Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens, und Reformator Martin Luther.
1942, als die Nationalsozialisten Kirchenglocken für die Schmelzen zusammenraubten, wurden auch Bronzefiguren religiösen und nicht religiösen Ursprungs demontiert – und unter anderem in Deutschlands größte Kupferhütte, die Norddeutsche Affinerie nach Hamburg verschickt. Doch die Mitarbeiter retteten das zur Vernichtung bestimmte Werk vor der Verarbeitung zu Granaten und Kanonen. Sie verschifften die Figuren über den Elbe-Trave-Kanal und vergruben sie in einer Kiesgrube. 1947 beschied die Abteilung „Monuments, Fine Arts and Archives“ der britischen Militärregierung: Die Bronzefiguren sind „kulturell wertlos“. Weder die Alliierten noch die später mit dem Wiederaufbau des Reichstags beauftragt Bundesbaudirektion wollten die Figuren zurück. Der Kostenaufwand für eine Wiederherstellung des Leuchters sei zu groß. Die Statuen blieben verpackt in ihrem norddeutschen Exil. 1982 wurden sie in den Gängen des Reichstags-Gebäudes zwar ausgestellt, doch gab es für sie im Plan von Architekt Norman Foster für den neuen Reichstag keinen Platz. So lagerten sie seit 1995 wieder in Kisten – diesmal im Berliner Stadtteil Treptow. Bis ihnen Michael Brand wieder auf die Spur kam und für eine Restaurierung der 72 cm hohen Bronzefigur des Bonifatius sorgte. Die mit vielen aktuellen und historischen Bildern ausgestattete Textsammlung stellt auch besondere Orte und Menschen vor, die heute in der Hauptstadt vom Heiligen Bonifatius zeugen.

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken: Das 1849 von Laien gegründete Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken ist von der Deutschen Bischofskonferenz mit der Förderung der Diaspora-Seelsorge beauftragt. Das Hilfswerk mit Sitz in Paderborn unterstützt Katholiken, die weit verstreut als Minderheit unter Anders- und Nichtglaubenden leben, vornehmlich in Ost- und Norddeutschland, Skandinavien, Estland und Lettland. Mit Spenden fördert das Bonifatiuswerk den Bau und die Renovierung von Kirchen und Gemeindezentren, Jugend- und Bildungshäusern, katholischen Schulen und Kindergärten sowie die Motorisierung von Pfarreien. Es unterstützt mit der Diaspora-Kinder‑ und Jugendhilfe Projekte der Glaubensweitergabe sowie pastorale und sozial-karitative Projekte. Jedes Jahr führt das Bonifatiuswerk den traditionellen Diaspora-Sonntag durch, an dem in allen Gemeinden Deutschlands in einer Solidaritätsaktion für die Katholiken in der Vereinzelung gesammelt wird.
Kontakt: Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V., Kamp 22, 33098 Paderborn, Postfach 11 69, 33041 Paderborn, Tel. 05251 / 29 96 0, Fax 05251 / 29 96 – 88, E-Mail: info@bonifatiuswerk.de, Internet: www.bonifatiuswerk.de.

Sonntag, 03.06.2018