Bischöfe im Heiligen Land

von Christof Beckmann

Sonntag, 14.01.2018

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Die Frage zum Status von Jerusalem hat für erneute Unruhe im „Heiligen Land“ gesorgt. Gestern startete das 18. Internationale Bischofstreffen zur Unterstützung der Christen im Heiligen Land, in Jerusalem, Bethlehem, Emmaus und Gaza ....

INFO: Am Samstag, 13. Januar, hat das 18. Internationale Bischofstreffen zur Unterstützung der Christen im Heiligen Land begonnen. Bei dem bis zum 18. Januar 2018 dauernden Treffen werden Vertreter von zwölf europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen sowie aus Südafrika in Jerusalem, Bethlehem, Emmaus und Gaza zusammenkommen. Als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz nimmt Weihbischof Dr. Udo Bentz (Mainz), Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Naher und Mittlerer Osten“ der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, an dem Treffen teil. Ziel der Reise ist, Christen und Kirchen im Heiligen Land in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften zu stärken und die Verbindung der Weltkirche mit ihnen zu festigen.
Nach der einseitigen Erklärung von US-Präsident Donald Trump zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des Staates Israel sind die Bischöfe besonders besorgt um den Status Quo der Stadt mit den Heiligen Stätten von Judentum, Christentum und Islam. In Begegnungen mit dem Apostolischen Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa OFM, weiteren Vertretern der katholischen Ortskirchen und internationalen Diplomaten soll der Erhalt des Status Quo in Stadt und Land zentrales Gesprächsthema sein. Auch widmen sich die Bischöfe der Lebenssituation junger Menschen in der Region: Im Vorfeld der im Oktober dieses Jahres im Vatikan stattfindenden Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ wollen die Bischöfe die Lage junger Christen im Heiligen Land näher kennenlernen. Einen besonderen Aspekt bilden dabei die Möglichkeiten christlicher, jüdischer und muslimischer Jugendlicher, ein besseres Miteinander beider Völker und aller Religionsgemeinschaften zu entwickeln.
Am Sonntag, 14. Januar, ist ein Besuch der kleinen christlichen Gemeinde in Gaza geplant, mit der die Bischöfe den Sonntagsgottesdienst feiern. Vorgesehen sind auch Gespräche mit Jugendlichen und Pastoralbesuche bei kranken und gebrechlichen Gemeindemitgliedern. Am Montag wird es um die Themen Bildung und Erziehung für Frieden und Gerechtigkeit im Land gehen: Nach Gesprächen im Schulbüro des Lateinischen Patriarchats in Beit Jala und Pastoralbesuche an palästinensischen christlichen Schulen in und um Bethlehem gibt es ein Treffen mit Studenten der Hebräischen Universität von Jerusalem. Für den 16. Januar sind Begegnungen mit orthodoxen und säkularen jüdischen Schülerinnen und Schülern geplant, am Mittwoch, 17. Januar, werden mehrere Einrichtungen des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) besucht. Nordwestlich von Jerusalem in den palästinensischen Gebieten besuchen die Bischöfe in Emmaus-Qubeibeh das „Qubeibeh Nursing Program“, eine zur Bethlehem-Universität gehörende Einrichtung, in der palästinensische Studierende in Kooperation mit den Schwestern-Salvatorianerinnen und dem DVHL zu Krankenschwestern und -pflegern ausgebildet werden. Zudem finden Gespräche mit christlichen und muslimischen Schülerinnen der Schmidt-Schule in Jerusalem statt, an der neben dem palästinensischen Abschluss auch das Deutsche Internationale Abitur erworben werden kann. Mehr: http://www.dbk.de

Deutscher Verein vom Heiligen Lande: Der 1855 gegründete Deutsche Verein vom Heiligen Lande (DVHL) mit Sitz in Köln versteht sich als Brücke der deutschen Christen zu den Menschen im Heiligen Land. Er will die Verständigung und Versöhnung der Religionen fördern, christliche Einrichtungen im Heiligen Land erhalten, Menschen in Not helfen und deutschen Christen im Heiligen Land Glaubens- und Erfahrungsräume schaffen. Hilfsprojekte, Pilgerreisen und die Vermittlung von Arbeitseinsätzen in sozialen Einrichtungen sorgen für Kontakt zu den Menschen im Heiligen Land auch in schwierigen Zeiten. Mit der jährlichen Palmsonntagskollekte, zu der die deutschen Bischöfe aufrufen, unterstützen die deutschen Katholiken die Arbeit des DVHL und die des Ordens der Franziskaner auch materiell. Beide engagieren sich in Israel und in Palästina im sozialen, karitativen und pastoralen Bereich.
Der DVHL vermittelt auch Stellen für Volontäre/Volontärinnen. Möglichkeiten dazu gibt es in folgenden Einrichtungen: Alten- und Behindertenheim Beit Emmaus (Qubeibe), Paulus-Haus (Jerusalem), Gästehaus Tabgha (See Gennesaret), Jugend- und Begegnungsstätte Tabgha (See Gennesaret), Kinderheim St. Vincent (Ain Karem), Behindertendorf Kfar Tikva (Nähe Haifa), Haus der Gnade (Haifa), Dahers Weinberg „Zelt der Völker” (Nähe Bethlehem), Hospiz St. Louis de France (Jerusalem), Waisenheim Crèche (Bethlehem).
Kontakt: Deutscher Verein vom Heiligen Lande, Steinfelder Gasse 17, 50670 Köln, Tel. 0221 / 995065-0, 135378, Fax 0221 / 995065-29, E-Mail: h.thiel@dvhl.de, Internet: www.heilig-land-verein.de.

Papst Franziskus zur Lage im Heiligen Land: Bei seiner Ansprache an das Diplomatische Korps am Montag, 8. Januar, hat Papst Franziskus die Situation in Israel und Palästina ausdrücklich angesprochen. Wörtlich sagte er: „Im Anschluss an die Spannungen der letzten Wochen denke ich besonders an die Israeli und Palästinenser. Der Heilige Stuhl bekundet seine Trauer um alle, die in den kürzlich stattgefundenen Gefechten ihr Leben verloren haben. Indessen erneuert er seinen eindringlichen Aufruf, jede Initiative zu erwägen, um eine Zuspitzung der Gegensätze zu vermeiden, und lädt dazu ein, die gemeinsame Verpflichtung zur Achtung des Status quo von Jerusalem, der Christen, Juden und Moslems heiligen Stadt, in Übereinstimmung mit den entsprechenden Resolutionen der Vereinten Nationen einzuhalten. Siebzig Jahre Auseinandersetzungen machen es dringender denn je, eine politische Lösung zu finden, die es ermöglicht, dass in der Region zwei unabhängige Staaten innerhalb von international anerkannten Grenzen bestehen. Selbst unter Schwierigkeiten bleibt der Wille zum Dialog und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen der Königsweg, um endlich zu einer friedlichen Koexistenz der beiden Völker zu gelangen. ...“

Sonntag, 14.01.2018