Unterrichtsthema Holocaust: lästige Pflicht?

von Manfred Rütten und Werner Beuschel

Sonntag, 26.01.2014

der Eingang zum KZ Auschwitz
der Spruch über dem Lagereingang erlangte traurige Berühmtheit

Der Massenmord der Nazis an 6 Millionen Menschen ist immer noch allgegenwärtig - im TV, im Kino, in Museen und Gedenkstätten. Auch in den Schulen steht das Thema fest auf dem Lehrplan, und die Schüler sind - zumindest am Anfang – sehr neugierig ...

Seit 1996 ist der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, in der Bundesrepublik Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden wehen auf Halbmast, in vielen Städten finden Gedenkveranstaltungen statt, und auch im Bundestag ist für den 27. Januar 2014 um 14 Uhr eine Gedenkstunde angesetzt. Seit der Übernahme des Datums durch die UN im Jahr 2005 ist der 27. Januar auch international ein Gedenktag.

Auch fast 70 Jahre nach Kriegsende ist der Massenmord der Nazis an sechs Millionen Menschen immer noch allgegenwärtig: in Fernseh-Dokus oder Kinofilmen wie "Schindler´s Liste", in Museen, Gedenkstätten oder als so genannte "Stolpersteine" auf öffentlichen Wegen und Plätzen. Auch in den Schulen gehört das Thema zum Pflichtprogramm. Zumindest anfangs – so die Religionspädagogin Iris Christofzik – seien Jugendliche durchaus neugierig und bereit, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Doch im Laufe der Zeit scheint das Interesse immer weiter abzunehmen, was nach Meinung einer Schülerin u.a. daran liegt, dass das Thema in mehreren Fächern und über mehrere Klassenstufen behandelt wird: "Wir lernen das jetzt schon seit der 9. und ich bin jetzt in der 10. und nach ner Zeit weiß man einfach alles darüber und dann wiederholt sich der Stoff und dann macht es keinen Spaß mehr."

Die Religionslehrerein Iris Christofzik zieht daraus den Schluss: "Man muss als Unterrichtende sehr gut darauf aufpassen, dass man unterschiedliche Aspekte des Themas beleuchtet. Und nicht immer mit dem Gleichen wieder einsteigt und die gleichen Fragen stellt. (…) Man muss vor allen Dingen darauf hören, was die von sich aus eben auch anfragen und was sie neu entdecken wollen und aus welchen Richtungen sie sich damit auseinandersetzen wollen."

Die Internetseite http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de informiert ausführlich über den Aufstieg Hitlers und seines Nationalsozialismus sowie über den Holocaust. Für die Überlebenden des KZ Auschwitz endete er am 27. Januar 1945. Kurz nach Mittag erreichten damals Einheiten der 1.Ukrainischen Front auf ihrem Vormarsch nach Westen das Gelände des Konzentrationslagers. Dort bot sich den Soldaten ein Bild des Grauens. Die Leichen von etwa 650 der zuletzt umgekommenen Lagerinsassen lagen unbestattet auf dem gefrorenen Boden, 7.600 Menschen, die meisten bis zum Skelett abgemagert und dem Hungertod nahe, wurden lebend geborgen.

Schon im November 1944 hatte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, die Räumung des Lagers angeordnet. Am 18. und 19. Januar 1945 waren schließlich 98.000 der letzten Häftlinge in langen Kolonnen von bis zu 2.500 Personen bei den so genannten "Todesmärschen" aus dem Lager fortgeschafft worden. Am 25.Januar wurden zum letzten Mal Juden in Auschwitz erschossen - insgesamt 350 Männer und Frauen, die zu schwach für den Marsch waren. Anschließend verließen die letzten SS-Trupps das Lager, nachdem sie zuvor die fünfte und letzte Gaskammer des KZs gesprengt hatte. Zurück ließen sie über 8.000 Häftlinge, von denen über 600 noch vor der Ankunft der Sowjets zwei Tage später an Entkräftung, Kälte oder Unterernährung starben.

Sonntag, 26.01.2014