"Luthers Wartburg" rollt durch die Region Aachen

von Elke Saur

Sonntag, 06.08.2017

DDR-Oldtimer: ein Wartburg 'Tourist' Baujahr 1976
Auf jeden Fest ein Hingucker: der Wartburg "Tourist", Baujahr 1976, ist rollender Reformationsbotschafter und mobile Spielestation in einem.

Bei Eisenach in Thüringen steht nicht nur die Wartburg, auf der Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte. In der Stadt wurde zu DDR-Zeiten auch DER Wartburg produziert. Ein Exemplar Baujahr ´76 tourt derzeit durch den Kirchenkreis Aachen.

Die Idee für den rollenden Reformationsbotschafter zum Jubiläumsjahr "500 Jahre Reformation" hatte der Jugendreferent des Aachener Kirchenkreises, Axel Büker. Umgesetzt wurde sie in der Kirchengemeinde Roggendorf unter Anleitung von Jugendleiter Martin Grevenstein. Der erfahrene Auto-Schrauber kaufte für 2.500 Euro einen weißen Wartburg "Tourist" (Kombiversion), machte das gute Stück fahrbereit und brachte den Wagen über den TÜV.

Für die äußere Gestaltung sorgten Jugendliche und Konfirmanden aus seiner Gemeinde. Sie entwarfen u.a. die Bildmotive, die auf eine Folie übertragen und auf die Karosserie geklebt wurden. Außerdem bastelten die Jugendlichen eine lebensgroße Luther-Puppe, die auf dem Beifahrersitz ihren Platz hat. Innen verfügt der Oldtimer aus DDR-Zeiten über einen WLAN-Hotspot und ein Tablet. Auch eine Musikanlage, Spiele, eine Psalmenbox und Luthers Thesenanschlag gehören zur Ausstattung.

Damit – so Axel Büker – könne man "um den Wagen herum spielen und dabei natürlich das eine oder andere über Reformation, Luther und Luthers Zeiten erfahren." Genau das war der Grundgedanke des Jugendreferenten: Wie kann man junge Leute für eine Sache wie die Reformation begeistern, die vor einem halben Jahrtausend die Welt verändert hat. Mit dem Wartburg scheint das zu gelingen. Und ganz nebenbei ist der Oldie mit dem typischen Zweitaktmotor auch optisch ein echter Hingucker.

"Wenn der irgendwo steht", erzählt Büker, "sind es gerade ältere Leute, die darauf anspringen - Wartburg ist für sie noch eine vertraute Marke. Und es gibt immer wieder Leute, die haben eine Geschichte mit diesem Wagen. Die erzählen »Mein Vater hat sowas gefahren« oder »Ich selbst kannte das«." Ob beim Stadtfest in Mechernich am 3. Juni oder beim ökumenischen Kirchentag auf dem Katschhof am 26. Juni – wo immer "Luthers Wartburg" bislang auftauchte, zog er die Menschen in seinen Bann.

Die TÜV-Plakette für den Wartburg ist noch genau bis zum Ende des laufenden Reformationsjubiläums am 31. Oktober 2017 gültig. Solange können Kirchengemeinden den Wagen tageweise ausleihen, sei es zum Beispiel für eine Jugendaktion oder ein Gemeindefest, sagt Axel Büker: "Wer sich zutraut, den Wartburg selbst zu holen, der kriegt auch ne fachmännische Einweisung, und kann dann auch mit den Materialen sehr gut und autark arbeiten."

Sonntag, 06.08.2017